Eine Übung, die hoffentlich nie zum Ernstfall wird

Ein wahres Horrorszenario hatten sich Planer Hans Neumair von der FFW Ober- und Niederhummel, unterstützt von Berufsfeuerwehrmännern der TU München, für eine Übung der Feuerwehren des Abschnittes IV/3 im Rahmen der „Aktionswoche der Feuerwehren“ (früher Brandschutzwoche) ausgedacht. Ein illegales Autorennen dreier Fahrzeuge auf der Ortsverbindungsstrasse zwischen Marzling und Oberhummel sollte beim Sägewerk in Windham ein tragisches Ende finden. Dort war ein Langholzzug gerade dabei, vom Betriebsgelände in die Strasse einzubiegen als der erste PKW mit voller Wucht in den Nachläufer des LKW’s krachte und darunter eingeklemmt wurde.

 

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Angenommenes Ende eines illegalen Autorennens: Ein PKW kracht in einen Langholzlastwagen, zwei Menschen sterben sofort

 

Der zweite PKW konnte dem Hindernis gerade noch ausweichen, rast über das Sägewerksgelände und prallt gegen das Betriebsgebäude. Die Fahrerin des dritten Fahrzeugs versucht ebenfalls noch auszuweichen, aber die Fahrt endet jäh an einem abgestellten Holzwagen und das Fahrzeug verkeilt sich unter dem Anhänger. Ein zum Unfallzeitpunkt vor dem Hänger stehender Fußgänger wird dabei vom PKW erfasst und stirbt noch an der Unfallstelle.  

 

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Der driite PKW hat einen Fußgänger erfasst der ebenfalls nicht überlebt und bleibt unter einem Holzanhänger stecken

 

Der Fahrer des Langholzfahrzeuges steht völlig unter Schock neben dem ersten Unfallfahrzeug bei seinem LKW. Im Sägewerk bemerkt man den Unfall und setzt sofort einen Notruf ab. Daraufhin werden von der Leitstelle Erding gemäß Stichwort „THL 4“ neben Rettungsdienst und Polizei Einsatzkräfte der Feuerwehren Oberhummel, Gaden, Langenbach, Moosburg sowie das Kreisbrandkommando alarmiert.

Wenige Minuten nach dem ersten Notruf fängt der PKW beim Sägewerk Feuer und die Flammen greifen rasch auf das Betriebsgebäude über. Deshalb wird vom Sägewerksbetreiber ein weiterer Notruf abgesetzt.

 

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Das zweite Auto, das am Betriebsgebäude zum Stehen kam, fängt Feuer und die Flammen greifen auf das Sägewerk über

 

Bedingt durch die neue Lage, werden nun von der Leitstelle nach Stichwort „B 4“ weitere Kräfte der Wehren aus Thonstetten, Marzling, Inkofen, Plörnbach sowie von der FFW Freising das Modul Wasserförderung mit dem Fahrzeug 12/1 und die Drehleiter der Wache 2 angefordert. Unterwegs sind nun auch die „Unterstützungsgruppe "Örtliche Einsatzleitung“, ABC – Erkunder und ein technischer Fachberater des THW.

Nach dem Eintreffen der ersten Fahrzeuge an der Einsatzstelle und der Erkundung der Lage, übernehmen Kräfte der Wehren aus Oberhummel, Gaden, Moosburg, Thonstetten und Plörnbach Brandbekämpfung und Gebäudeschutz. Der Fahrer des brennenden Unfall-PKW am Betriebsgebäude konnte bis dahin seinen schwer verletzten Beifahrer, der nicht angeschnallt war, aus dem Fahrzeug befreien, zog sich dabei aber Verbrennungen an den Armen zu. Sie werden sofort von Kräften des anwesenden Rettungsdienstes erstversorgt.

 

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Das Sägewerk gerät nach dem Aufprall des zweiten PKW in einen angenommenen "Vollbrand"

 

Für eine ausreichende Wasserversorgung an der Einsatzstelle wird von der FFW Freising eine lange Schlauchleitung zum Wasserentnahmestelle am Mühlbach in Oberhummel aufgebaut und auch die Durchflussmenge der örtlichen Wasserleitung wird mit technischen Maßnahmen für die Dauer des Einsatzes erhöht.

Zeitgleich zum Löschaufbau kümmern sich die Feuerwehren aus Langenbach und Marzling um die Opfer in den beiden anderen Unfallfahrzeugen. Im PKW, der unter dem Langholzzug eingeklemmt ist, sind Fahrer und Beifahrer beim Eintreffen der Retter schon ihren schweren Verletzungen erlegen, zwei weitere Personen auf der Rückbank sind schwer verletzt und im PKW eingeklemmt. Zunächst werden die Personen von Kräften des Rettungsdienstes so gut als möglich stabilisiert, dann beginnen die Helfer unter Zuhilfenahme von schwerem technischen Gerät die Befreiung der Opfer.

 

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Die FFW Langenbach beginnt mit der Befreiung der eingeklemmten Personen auf der Rückbank des ersten PKW

 

Auch im dritten PKW unter dem Holzanhänger sind mehrere Personen schwer bis mittelschwer verletzt und eingeklemmt. Hier beginnt die FFW Marzling nach der Erstversorgung der Opfer durch den Rettungsdienst mit der Befreiung.

Bei beiden eingeklemmten Fahrzeugen muss das komplette Dach des Fahrzeugs mit entfernt werden, um die verletzten Personen aus dem Fahrzeug zu befreien.

Parallel zur laufenden Personenrettung wird von der Schnelleinsatzgruppe des BRK Freising in einem neben der Einsatzstelle gelegenen Holzstadel eine Verletzten- Sammelstelle eingerichtet, wo die Unfallopfer nach ihrer Befreiung weiterversorgt werden können.

Für einen besonders realistischen Übungsablauf sorgte das Notfalldarstellunsgsteam der Wasserwacht Moosburg. Einige Mitglieder, die dankenswerterweise die Opfer „spielten“, waren täuschend echt als Unfallopfer zurecht gemacht.

Die Gesamtleitung der Großübung lag bei Kreisbrandrat Manfred Danner, er war auch für die Absprache unter den einzelnen Abschnitten zuständig.

Hans Neumair kümmerte sich, zusammen mit Michael Lenzewski, um die Technische Hilfeleistung und die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst.

Michael Reffgen zeichnete für die Brandbekämpfung verantwortlich und Alois Neumair war für Wasserversorgung und die lange Schlauchleitung zuständig.

Neben zahlreichen weiteren Beobachtern waren auch Landrat Josef Hauner, Kreisbrandinspektor Rudolf Schindler und natürlich auch unsere Bürgermeisterin Susanne Hoyer an der Übungsstelle.

Ein besonderes „Highlight“ an diesem Tag war die Anwesenheit einiger Mitarbeiter des Forschungsprojekts „CopKa“ der Technischen Universität München. „CopKa“ ist ein Satellitenbasiertes SAR- (Search and Rescue = Suchen und Retten) System, das Einsatzbilder in Echtzeit über geostationäre Satelliten übertragen kann. Es soll eine zukünftige Anwendung für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben werden, die Leitstellen, Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei und Katastrophenschutz bei größeren Einsätzen eine schnelle Übersicht über das Einsatzgeschehen ermöglichen soll. So ist ein Übertragen von Livebildern in Echtzeit an die Leitstelle ebenso möglich wie das schnellere Auffinden von verletzten Personen und das Erkennen von Gefahren für das Einsatzpersonal vor Ort durch Gesamtübersicht und Infrarotbilder. Das System ist technisch so konstruiert, dass es problemlos in moderne Löschfahrzeuge eingebaut werden kann.

 

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Eine Drohne sorgt für Übersicht bei Großeinsätzen

 

 Bei der Übung in Windham hatte das Forschungsteam eine drahtlose HD-Kamera und eine Drohne (Copter) mit HD- und Infrarotkamera im Einsatz.

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So sieht der Copter die Übungsstelle bei eintretender Dämmerung (Quelle TV1/miniCaster)

 

    

Nach Übungsende trafen sich dann alle rund 150 Beteiligten im Gerätehaus in Niederhummel, wo bei einer kleinen Brotzeit, von der Gemeinde Langenbach „gestiftet“, von KBR Manfred Danner und Organisator Hans Neumair nochmals eine kurze Bilanz des Übungsablaufs gezogen wurde.

Die Großübung in Windham hat gezeigt, dass unser regionales Rettungssystem bestens funktioniert. Eindrucksvoll demonstriert wurde auch, welche aufwendige Technik für die Rettung von Opfern aus manchen Unfallszenarien heute erforderlich ist. Dank der Unterstützung von Freistaat und Kommunen ist diese Technik auch weitgehend vorhanden. Dennoch ist die wichtigste Voraussetzung bei der Rettung von Menschen, Tieren und Sachwerten stets die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer. Es ist eine große gesellschaftliche Aufgabe dafür zu sorgen, dass immer wieder Frauen, Männer und gerade Jugendliche auch in Zukunft bereit sind, diese Aufgaben übernehmen.

Aber wer erst einmal wirklich dabei ist, wird auch merken, „Helfen tut gut“!

 

Übrigens: Es gibt auch eine Fotostrecke und das Übungskonzept.

 

 

FPK 2017